In René Dosts Geschichte gibt es einen Moment, der alles klar macht. Er stand 1991 in Ketzin mit einem gebrauchten Imbisswagen, 50.000 D-Mark Schulden und dem hartnäckigen Verdacht, gerade über den Tisch gezogen worden zu sein. Er behauptete, der Besitzer des Wagens habe ihn gerade betrogen. Dennoch blieb er. Er machte weiter. Er kreierte Schnitzel und belegte Burger, und es scheint, als sei seine Kombination aus Einfallsreichtum und Hartnäckigkeit auch heute noch erfolgreich.
Etwa dreißig Jahre später sitzt derselbe Mann, geschmückt mit Armbändern und Ketten, in seinem Café am Potsdamer Luisenplatz zwischen einem Teller mit Eiern und seiner nächsten TikTok-Idee und spricht über seinen Traum von Mallorca, vierzig Geschäftsbereiche und 20 Millionen Euro Jahresumsatz. Finanzbeobachter schätzen das Vermögen von Redo XXL – oder den tatsächlichen Wert von René Dost als Unternehmer und Markenpersönlichkeit – auf 15 bis 25 Millionen Euro. Es ist schwierig, die Richtigkeit dieser Zahl von außen zu bestätigen. Wenn man jedoch die Geschichte kennt, klingt sie durchaus plausibel.

Tatsächlich ist das Konzept von Redo XXL recht einfach: großzügige Portionen, eine lebhafte Atmosphäre und ein einzigartiges Erscheinungsbild. Der Schwerpunkt liegt hier eher auf dem Erlebnis als auf gehobener Küche, wie jeder weiß, der schon einmal in einem der sieben Lokale – von Frankfurt an der Oder bis Berlin-Tempelhof – gegessen hat. Und genau das scheint in der deutschen Gastronomie selten genug zu sein. Dost hat erkannt, dass Emotionen besser verkaufen als Speisekarten, obwohl viele Restaurants über mangelnden Zulauf klagen.
Die Restaurants sind nicht der einzige Grund für seinen Reichtum. Cafés, Burger-Lokale, ein Steakhouse-Konzept, ein Catering-Unternehmen mit einer der größten Food-Truck-Flotten im deutschsprachigen Raum und ab 2023 ein Hotel am Motzener See in Brandenburg gehören ebenfalls zur Redo-Gruppe. Es ist ein Portfolio, das in gewisser Weise sowohl strategisch geplant als auch organisch gewachsen zu sein scheint; es ist, als hätte jemand nie aufgehört, Ideen zu notieren, bevor er beschloss, sie einfach alle in die Tat umzusetzen.
Die Social-Media-Komponente ist ein weiterer Aspekt. Seit Mitte 2025 teilt Dost Inhalte auf TikTok und Instagram, deren Stil eher für Menschen in den Zwanzigern typisch ist. Seitdem hat er mehr als eine Million Follower gewonnen. Er behauptet, dass Studenten Fotos mit ihm machen wollen, weil sie sich einen Vater wie ihn wünschen. Auch wenn das ein wenig dramatisch klingt, steckt doch eine echte Beobachtung dahinter. Seine Persönlichkeit kommt gut an, weil sie authentisch wirkt: laut, schillernd, ein bisschen chaotisch. Es ist schwer zu sagen, wie viel davon sein wahrer Charakter ist und wie viel kalkuliert. Höchstwahrscheinlich beides.
Damit sind natürlich Risiken verbunden. Dost räumte zumindest teilweise den Bericht des „Tagesspiegels“ aus dem Frühjahr 2026 ein, der hygienische Mängel in einer Reihe von Einrichtungen der Gruppe in Potsdam anprangerte. Ein solcher Bericht kann einem Imperium dieser Größe, das so stark mit dem Ruf seines Gründers verbunden ist, mehr schaden als einem anonymen Konzern. Der Erfolg von Redo XXL hängt auch vom Ruf von René Dost ab, der in einer Zeit, in der sich Kritik augenblicklich verbreitet, sehr zerbrechlich ist.
Dennoch ist es erstaunlich, was dieser Mann aus Brandenburg geschaffen hat. Seine Eltern besaßen ein kleines Restaurant in Ketzin, er stammte also nicht aus einer Unternehmerfamilie mit Geld und Beziehungen. Er behauptet, den Großteil seines Einkommens im Laufe von 35 Jahren unter derselben Steuernummer selbst verdient zu haben. Das mag abgedroschen klingen, ist aber eine verblüffende Statistik in der deutschen Gastronomie, wo die Hälfte aller Neugründungen innerhalb der ersten fünf Jahre scheitert.
Letztendlich ist unklar, was Dosts Vermögen sichern oder gefährden wird. Um mehr Zeit für neue Ideen zu haben, will er sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Ob ihm das gelingt, ist eine ganz andere Frage. Unternehmer, die so sehr in ihre eigene Marke vertieft sind, tun sich oft schwer damit, loszulassen. Vielleicht will er das gar nicht. Er sitzt immer noch am Tisch auf dem Potsdamer Luisenplatz, das Tablet in der Hand, das Schnitzel neben sich, und denkt bereits über die nächste Idee nach.