Manche Schauspieler werden durch eine einzige Rolle unsterblich. Zu ihnen gehörte Sam Neill. Das donnernde Gebrüll eines T-Rex und das Staunen eines Paläontologen, der zum ersten Mal lebende Dinosaurier zu Gesicht bekommt, sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Wer jedoch glaubt, „Jurassic Park“ sei die einzige Quelle von Neills Reichtum gewesen, unterschätzt einen Mann, der mehr als fünfzig Jahre lang still, beständig und ohne großes Aufsehen gearbeitet hat.
Sein Vermögen zum Zeitpunkt seines Todes wird auf 18 bis 20 Millionen Dollar geschätzt, wobei einige Quellen sogar Zahlen von bis zu 24,5 Millionen Euro nennen. Berücksichtigt man den Umfang seiner Karriere, sind diese Zahlen beeindruckend, aber nicht überraschend. Neill war mehr als nur ein Filmstar. Er trat überall auf. Die Titelrolle in „Merlin“, Inspektor Chester Campbell in „Peaky Blinders“ und Kardinal Thomas Wolsey in „The Tudors“ waren keine Nebenrollen; vielmehr handelte es sich um bedeutende, langfristige Engagements von globaler Tragweite. Zudem brachten ihm die Synchronrollen in „Peter Rabbit“, „Rick and Morty“ und „Die Simpsons“ wahrscheinlich mehr Geld ein, als man vermuten würde.

Zweifellos wurde Neill dank der „Jurassic Park“-Reihe bekannt. Der erste Film kam 1993 in die Kinos, gefolgt von „Jurassic Park III“ und „Jurassic World: Dominion“ im Jahr 2022. Sein Vermögen stammte jedoch nicht aus einem einzigen Gehalt. Es war das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit, von mehr als 100 Filmen und Fernsehserien sowie einer Disziplin, die in Hollywood selten ist. Es fällt schwer, sich einen anderen Schauspieler seiner Generation vorzustellen, der so anpassungsfähig war, ohne jemals den Wunsch nach der nächsten großen Filmreihe zu zeigen.
Hollywood ist jedoch nicht der faszinierendste Aspekt von Neills Vermögen. Es ist ein winziges Weingut auf der Südinsel Neuseelands. Im Jahr 1993, dem Jahr, in dem „Jurassic Park“ die Welt veränderte, gründete er „Two Paddocks“, wie er es nannte. Er begann mit etwa zwei Hektar Pinot Noir in Gibbston, einer windgepeitschten, felsigen Gegend in Central Otago, die damals kaum als geeignet für ernsthafte Weinherstellung galt. Mit mittlerweile vier Standorten gilt das Weingut als einer der renommiertesten Standorte Neuseelands für biologischen Riesling und Pinot Noir.
Allerdings steckt darin eine gewisse Ironie. In einem offenen Interview mit „The West Australian“ im Jahr 2008 erklärte Neill: „Ich würde liebend gerne meinen Lebensunterhalt mit dem Weingut bestreiten, aber ich fürchte, es ist genau umgekehrt.“ Es ist kein besonders lukratives Unterfangen. Daher wurde seine Leidenschaft eher durch seine Schauspielkarriere finanziert als umgekehrt. Im Grunde ist dies die Geschichte eines sehr reichen Mannes, der sich entschied, sein Geld in Reben und rote Erde zu investieren, anstatt in Aktien oder Immobilien. Man könnte dies als rührend betrachten – oder als rücksichtslos gegenüber seinem eigenen Kapital. Höchstwahrscheinlich war es beides.
Dennoch trugen Immobilien zu seinem Reichtum bei. Neill hielt auf der Redbank Farm in Neuseeland eine Sammlung von Tieren, was eine ungewöhnliche Investition war, aber typisch für Neill. Er besaß zudem ein Haus in Wellington. Hinzu kam das vierstöckige Haus in Double Bay, Sydneys vornehmstem Stadtteil, das er und seine damalige Ehefrau Noriko Watanabe 1996 erworben und 2020 für etwa 3,6 Millionen australische Dollar verkauft hatten. Obwohl er sich zu dem Verkauf nicht äußerte, war es ein ordentlicher Gewinn.
Am 13. Juli 2026 verstarb Neill im St. Vincent’s Private Hospital in Sydney. Das vielleicht Erstaunlichste an der Situation ist, dass sein Tod unerwartet kam. Er hatte jahrelang gegen eine seltene Form von Lymphom gekämpft. Als die Chemotherapie nicht mehr wirkte, entschied er sich für die CAR-T-Zelltherapie, eine hochmoderne Behandlung, die etwa 330.000 Euro kostet und bei der die eigenen Immunzellen des Patienten genetisch so verändert werden, dass sie Krebszellen angreifen. Im Frühjahr 2026 erklärte er sich für krebsfrei. In ihrer Stellungnahme auf Instagram sagte seine Familie, dass Sams Tod zwar unerwartet und plötzlich gekommen sei, sie sich aber glücklich schätzten, dass er keinen Krebs entwickelt habe.
Diese Geschichte strahlt eine subtile Würde aus. Neill sprach in der Öffentlichkeit nie über sein Vermögen. Er moderierte keine Reality-Show, warb nicht für Kryptowährungen und brachte kein Parfüm auf den Markt. Er lebte, arbeitete und produzierte Wein. Er hinterlässt nicht nur ein Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Dollar, sondern auch den Ruf eines Mannes, der seine Prioritäten kannte – auch wenn diese nicht immer gewinnbringend waren. Vielleicht ist das sein wahres Vermächtnis.